6.11.2008

Naoshima (直島) Benesse House

Wem würde der Name Tadao Ando nichts sagen? Der japanische selfmade-Star-Architekt, der einmal Profiboxer war, nie studierte und 1969 sich mit “Tadao Ando Architect & Associates” in Osaka selbständig machte, gehört zur Weltelite.  Und baute seit 1969 unzählige berühmt gewordene Gebäude. Minimalismus - und als Arbeitsmaterial Sichtbeton, dessen Schaltafeln nach Tatamimatten bemessen sind - bestimmen sein Werk. Beton, Holz, Licht, Rau und Natur werden in einzigartiger Weise kombiniert.

Eines seiner Projekte befindet sich auf Naoshima, einer winzigen Insel in der japanischen Binnensee in der Nähe von dem kleinen Hafen Uno (nächst größere Stadt ist Okayama).  Schon bei der Einfahrt in den Hafen begrüt einen Kunst, die heute zum DEM Anziehungspunkt der Insel überhaupt geworden ist.

Die Anlagen in Naoshima wurden sukzessive erweitert. Startpunkt war das Naoshima Contemporary Art Museum, 1992 von Ando erbaut, das heute Benesse House heißt. Benesse ist der Name eines japanischen Verlages mit Schwerpunkt Erziehung, der nicht nur das Benesse House finanzierte, sondern auch aktiv Erziehung organisiert - Naoshima war zuerst der Treffpunkt für ein internationales Kinderlager!.

Zu dem Museum kam später ein Hotel, das mit seinem Design unschwer auch Ando zuzuordnen ist. Und ein dritter Bau, das Oval, gehört noch zu dieser Anlage - eine ovale Struktur auf einem Hügel, deren sechs Zimmern einen fantastischen Blick über die Binnensee bieten (aber auch vom “normalen” Hotel aus bietet sich ein herrlicher Blick!).

Auf den Freiflächen der gesamten Anlage sind Kunstinstallationen verschiedener Künstler aufgestellt.

Beim geruhsamen Spaziergang am Meer erfreuen nicht nur diese das Auge, sondern auch die gegenüberliegende Küste der Insel Shikoku.

Nachts - und dann vielleicht auch noch bei Vollmond - leuchten die Lichter von dort herüber, aber auch die Positionslichter der unendelichen Kette von Schiffen, die die japanische Binnensee nachts wie auf einer Autobahn durchqueren.

2004 wurde ein weiteres Museum in Nähe der Anlage von Tadao Ando errichtet: das Chichu Art Museum. Die Innenräume wurden von drei verschiedenen Künstlern mitgestaltet, so dass jeder Raum eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt.

Aber auch damit ist es noch nicht genug: im kleinen Ort Honmura wurden traditionelle kleine Fischerhäuser zu Kunstobjekten umgestaltet - unter dem Namen “Art house project” können diese alle besichtigt werden.

Alleine schon beim Betreten des Benesse House Hotels gelangt man in eine andere Welt, in der Architektur, Kunst und Natur auf eine einmalige Weise miteinander verbunden wurden.  Egal ob vom Hotel aus oder den Museen ist der Blick fast immer auf die Landschaft möglich, die gleichzeitig umgekehrt die Anlagen selbst in sich aufnimmt - und wo keine der beiden Welten die andere übermäßig dominiert, sondern ein fühlbarer Einklang hergestellt wird.

Man verzeihe mir wenn ich ins Schwärmen gerate, aber eine solche Erfahrung ist nur an wenigen Orten der Welt möglich!

Die Anreise ist denkbar einfach: von Okayama fährt man ca. eine Stunde mit dem Zug (oder Bus) in das Hafenstädtchen Uno, wo der Fähranleger sich direkt gegenüber des Bahnhofs befindet. Bei manchen Zügen muß man in Chayamachi einmal umsteigen.

Mit der Fähre (280 Yen pro Strecke) braucht man ungefähr 15 Minuten bis zur Insel. Am Anleger wartet dann schon der kleine Bus des Benesse House und bringt die Gäste, die dort gebucht haben, die rund drei Kilometer bis zum Hotel, in dessen Nähe sich alle beschriebenen Anlagen befinden. Das Benesse House hat keine Einzelzimmer, die Übernachtungen liegen bei ca. 280 bis 350 Euro/Doppelzimmer. Die Insel Naoshima habe ich auch in meine Japan kompakt-Reise eingebaut - nur eigentlich müßte man viel mehr Zeit dort haben!

http://www.hotei-japan-reisen.de/rundreisen_kompakt.php

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Kommentare

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