Takayama in der Präfektur Gifu (als Zentrum der Region Hida auch Hida-Takayama genannt) liegt auf ca. 900m Höhe und ist ein kleines ländliches Städtchen mit 96.000 Einwohnern - die sich aber auf über 2.000 Quadratkilometern verteilen!
Von Nagoya aus kann man Takayama mit dem “Hida”-genannten Zug (schöne große Fenster) von Nagoya aus in etwas mehr als zwei Stunden erreichen; der Zug heißt deshalb so, weil er sich im landschaftlich reizvollen Tal des Hida-Flußes, das auch für seine heißen Quellen bekannt ist, langsam in die Höhe hinaufschlängelt.
Geschichtliche Zeugnisse gibt es bis zurück ins 7. Jahrhundert. Im 16. und 17. Jahrhundert regierten die Kanamori von hier aus das Han Takayama in der Provinz Hida. Aus dieser Zeit stammen viele charakteristische Gebäude, insbesondere das Takayama Jinya (高山陣屋), welches Teil des Schlosses der Kanamori war. Im 18. und 19. Jahrhundert geriet Takayama mit Statthaltern vor Ort unter direkten Einfluss des Tokugawa Shogunats. 1937 wurde die Stadt Takayama schließlich offiziell gegründet.
Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt einige. An erster Stelle steht der kleine Altstadtteil, der durch die traditionellen Holzhäuser geprägt ist - und der die Touristenattraktion schlechthin ist. Kleine Geschäfte mit Holzlackwaren, Spielzeug aus Holz und Pappmacheefiguren sowie die “saru-bobo” genannten Stofffiguren - die schwangere Frauen und neugeborene Babys schützen sollen - spiegeln eine typische Heimindustrie wieder, die in den tief verschneiten Winter als zusätzliche Einkommensquelle genutzt wurde. Die Besonderheit der Lackwaren aus Hida ist der durchsichtige (und nicht wie sonst in Japan üblich schwarze) Lack, der benutzt wird. Im Vergleich zu den Lackwaren aus z.B. Wajima wirken diese so sehr viel rustikaler.
Takayama, das über die Kiso-Strasse auch mit den beiden kleinen ehemaligen Poststationen Magome und Tsumago an der Nakasendo-Strasse (die Tokyo und Kyoto verbindet) Kontakt hatte, und die Region Hida waren früher so arm, dass sie Steuern überwiegend nicht in Waren, sondern durch die Arbeitskraft ihrer Handwerker bezahlen mußten. Der enorme Wald- und damit Holzreichtum waren DAS Kapital der Region - und für die kunstvolle Verarbeitung dieses Rohstoffes waren die Schreiner und Zimmerleute aus Hida berühmt. Pro Jahr mußten deshalb bis zu 280 Schreiner oder Zimmerleute in ferne Landesteile ziehen und dort für den Shogun, den Kaiser oder Klöster arbeiten.
Im Osten der Stadt liegt - wie in Kyoto, und deshalb auch so benannt - “Higashiyama”, ein Viertel, das wie in Kyoto durch Tempelbauten beherrscht wird. Dort liegt auch die Jugendherberge Tensoji, die gleichzeitig ein Tempel ist. In den umliegenden Tempeln kann man auch an Erfahrung in “Zazen” sammeln - wenn man gewillt ist, früh aufzustehen und ein bisschen Japanisch kann!
Erwähnenswert ist auch das “Hida-mura” - ein Freilichtmuseum mit alten Bauernhäusern aus der Region, in denen wie in alten Zeiten ein Feuerchen vor sich hin glüht und gelegentlich ältere Freiwillige Strohsandeln anfertigen wie früher üblich. Vom Bahnhof aus kommt man mit dem Bus dorthin; es gibt ein “seto-ken”, eine kombinierte Eintritts- und Buskarte für 900 Yen.
Zweimal im Jahr - im April und Oktober - ist Takayama überfüllt, weil dann das “Sanno Matsuri” im Frühjahr und das etwas kleinere “Hachiman matsuri” im Herbst abgehalten werden. Prächtige Festwagen (fantastische Lackarbeiten!), die sonst in speziellen “Graragen” im Stadtzentrum untergebracht sind, werden dann durch die Strassen gezogen, dazwischen Musikantengruppen und Tänzer. Bekannt sind auch die Festwagen, auf denen Marionetten angebracht sind und ihre Kunststückchen vorführen - gesteuert über lange Züge aus dem Wageninneren. Ohne frühzeitige Buchung für eine Übernachtung findet man kein freies Plätzchen mehr!
In der “Yatai Kaikan” kann man sich einige Festwagen auch außerhalb der Festzeiten ansehen.
Neben dem Takayama-Jinya, dem ehemaligen Verwaltungssitz (und früheren Ort des Schlosses) ist noch die “Shishi Kaikan” erwähnenswert mit ihrer Sammlung von Löwenmasken für die Tänze bei Festen. Aber ganz besonders möchte ich den Besuch eines kleinen Museums ans Herzen legen, das oft übersehen und in vielen Führern nicht einmal aufegführt wird: das Inro-Museum (Inro Bijitsukan). Ein kleiner Bau, ein ehemaliges Lagerhaus (kura), das heute mehr als 300 der schönsten Inros beherbergt. Inros sind kleine, häufig kunstvollst gearbeitete Behältnisse für Kräuter, Medizin oder Siegel, die mit einer Schnur um den Gürtel befestigt wurden. Am Ende der Schnur (um das Verlieren zu verhindern) ist eine kleine Figur, die Netsuke genannt wird - auch diese häufig Meisterwerke der Schnitzkunst und aus den verschiedensten Materialien. Leider ist die Beschriftung - wie in den meisten kleineren Museen - nur in Japanisch, aber der Anblick alleine spricht schon für sich!
Das vielleicht auffalendste Gebäude Takayamas ist ein gigantischer Tempel derr “Makihari”-Sekte (”wahres Licht”), die 1959 ins Leben gerufen wurde und heute viele Anhänger hat. Wie ein Weltraumschiff, das sich verirrt hat, liegt es auf einem Hügel vor der Stadt…
Umgekehrt geht der Blick vom Hida-mura über das weite Tal, in dem Takayama liegt, bei gutem Wetter bis zu den nördlichen Alpen, die mit ihren schneebedeckten Bergen und Höhen bis zu 3.200m eine reizvolle Kulisse bilden.











